E9-Tuning erklärt:

Schritt für Schritt 

Dieser Artikel gehört zur Kategorie „Aufbauen“ im Pedal Steel Signature System.

In diesem Abschnitt geht es um technisches Verständnis und musikalisches Fundament:

Stimmung, Pedale, Spielmechanik und das Zusammenspiel von Hand, Fuß und Ohr. Alles, was du brauchst, um dein Spiel auf ein solides Fundament zu stellen.

Die meisten Pedal-Steel-Gitarren sind mit zwei sogenannten „Necks“ ausgestattet: einem E9- und einem C6-Tuning.
Doch selbst, wenn du nur eine Single-Neck-Pedal-Steel besitzt, ist das E9-Tuning die häufigste und vielseitigste Stimmung – und die perfekte Grundlage für Country, Western Swing, Balladen und moderne Musikstile.

In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt, wie das E9-Tuning aufgebaut ist, welche Saitenstärken und Tonhöhen verwendet werden und wie du dein Instrument richtig stimmst – egal ob du gerade anfängst oder dein Setup einfach besser verstehen willst.

Was ist das E9-Tuning überhaupt?


Das E9-Tuning ist das Standard-Tuning für die meisten Pedal-Steel-Gitarren. Es wurde entwickelt, um den Country-Sound der 1960er Jahre zu ermöglichen – mit weiten Intervallen, klaren Akkorden und fließenden Tonbewegungen. Die Bezeichnung „E9“ bedeutet:

  • Grundton E → die Stimmung basiert auf E-Dur
  • 9 → steht für die hinzugefügte None (F#), die dem Akkord zusätzliche Spannung und Offenheit verleiht


Das E9-Tuning ist also ein E-Dur-9-Akkord, der durch Pedale und Knee-Levers in viele andere Akkorde verwandelt werden kann.

Die Saiten im Überblick


Hier ist die klassische Saitenreihenfolge (von hoch nach tief):


 | Saite | Ton | Funktion | Bemerkung
 

  • | 1 | F# | 9 | hohe None
  • | 2 | D# | maj7 | gelegentlich abgesenkt zu D oder C#
  • | 3 | G# | 3 | wird oft zu A gezogen (A+B Pedale → Dur)
  • | 4 | E | Grundton | oft zu F angehoben oder zu Eb abgesenkt
  • | 5 | B | 5 | oft zu C# gezogen (A-Pedal)
  • | 6 | G# | 3 | kann mit B-Pedal zu A gezogen werden
  • | 7 | F# | 9 | bleibt meist statisch, aber wichtig für Akkorderweiterungen
  • | 8 | E | Grundton | Basis für viele Voicings
  • | 9 | D | b7 | erzeugt Dominant-Akkorde
  • | 10 | B | 5 | tiefe Bassbasis


Diese Reihenfolge mag anfangs verwirrend wirken, aber sie ist so angelegt, dass du mit den Pedalen direkt durch Akkordfolgen gleiten kannst – genau das, was den typischen Pedal-Steel-Klang ausmacht. 


Die Pedale und Knee-Levers – was sie bewirken


Die Pedale und Hebel sind das Herz der Pedal Steel. Beim E9-Tuning werden sie genutzt, um bestimmte Saiten leicht anzuheben oder abzusenken – dadurch entstehen fließende Harmoniewechsel ohne Umgreifen. 

Hier eine Übersicht der gängigsten Kombinationen:

Pedale


| Pedal | Wirkung | Typische Anwendung
 

  • | A-Pedal | hebt Saite 5 (B→C#) und 10 (B→C#) | ergibt Dur-Akkord mit B-Pedal
  • | B-Pedal | hebt Saite 3 und 6 (G#→A) | zusammen mit A-Pedal = Dur
  • | C-Pedal | hebt Saite 4 (E→F#) und 5 (B→C#) | Übergänge und Lick


Knee-Levers


| Lever | Wirkung | Typische Anwendung 

  • | E→F | erhöht E auf F | Halbtöne, Subdominante
  • | E→Eb | senkt E auf Eb | Mollakkorde, Übergänge
  • | D#→D / C# | senkt die 2. Saite | Jazzige Zwischenklänge, Dominantfarben
  • | B→Bb | senkt 5. und 10. Saite | Erweiterte Akkorde, chromatische Licks
  • | F# → G | hebt die 1. & 7. Saite | erzeut Blue-Notes 



Jede Kombination verändert das Griffbrett klanglich komplett – das ist der Grund, warum das E9-Tuning so flexibel und ausdrucksstark ist.

E9-Tuning Schritt für Schritt stimmen


Bevor du beginnst, solltest du:

  • ein Stimmgerät mit hoher Präzision verwenden (am besten chromatisch)
  • die Gitarre mehrfach durchspielen, bevor du fein nachstimmst (die Saiten dehnen sich beim ersten Stimmen leicht)


1) Grundstimmung (Pedale und Levers unbetätigt)


Stimme alle Saiten auf folgende Töne (von 10 nach 1):

B – D – E – F# – G# – B – G# – D# – F#

→ Das ergibt deinen offenen E9-Klang.

2) Kontrolle der Pedale


  • Drücke A- und B-Pedal:  → 5. Saite sollte von B auf C#, 6. Saite von G# auf A gehen.
  • Drücke C-Pedal: Wenn die Tonhöhen leicht abweichen, justiere an der Mechanik.


3) Kontrolle der Knee-Levers


  • E→F: sollte ca. +½ Ton betragen
  • E→Eb: ca. –½ Ton
  • D#→D: ca. –½ Ton
  • B→Bb: ca. –½ Ton
  • F#→G: ca. +½ Ton


Tipp: Stimme die Lever-Klänge immer im Kontext (also mit leicht gedrückten Pedalen) –  so vermeidest du später kleine Verstimmungen zwischen den Voicings.

Wie du mit dem E9-Tuning Akkorde findest


Das E9-Tuning ist so konstruiert, dass du mit nur wenigen Bewegungen
 eine ganze Palette an Akkorden spielen kannst.

Beispiel:

  • Offene Position → E9
  • +A+B Pedal → A-Dur
  • +A Pedal allein → Moll-Akkorde (C#m, F#m etc.)
  • +E→Eb Lever → Mollvariante


Mit dieser Logik kannst du praktisch jede Akkordfolge begleiten, ohne die Handposition stark zu verändern – das ist das Geheimnis des fließenden Pedal-Steel-Klangs.

Typische Anfängerfehler beim Stimmen


1) Zu starkes Nachziehen → Saiten dehnen sich und verstimmen sich nach wenigen Minuten erneut.
2) Nicht „einspielen“ vor dem Feinstimmen → kurze Spielzeit (1–2 Minuten) stabilisiert die Spannung.
3) Zu viele Pedale gleichzeitig drücken → lieber einzeln stimmen und am Ende überprüfen.
4) Falsche Orientierung am Stimmgerät → chromatisch stimmen, nicht nach Gitarren-Standardtonarten. 

Warum das E9-Tuning so beliebt ist 


Das E9-Tuning vereint das Beste aus zwei Welten: 

  • Country und Western Swing – durch offene Voicings und große Intervalle
  • Pop und Jazz – durch die Möglichkeit, Akkorde schnell zu erweitern


Kein anderes Tuning bietet so viel Klangvielfalt bei so wenig Bewegung. Deshalb ist es die erste Wahl für Einsteiger – und die Grundlage für fast alle modernen Pedal-Steel-Stile. 

Video: E9-Tuning erklärt – Schritt für Schritt 

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Im passenden Video auf meinem YouTube-Kanal zeige ich dir das E9-Tuning Schritt für Schritt, direkt am Instrument – mit Stimmgerät, Pedalen und Klangbeispielen.

Fazit

 

Das E9-Tuning ist das Herzstück der Pedal Steel Gitarre. Es eröffnet eine ganze Welt an Akkorden, Licks und Klangfarben – und ist der Schlüssel zu fast jedem klassischen Steel-Sound. 

Wenn du verstehst, wie es aufgebaut ist und wie Pedale und Levers zusammenarbeiten, wird aus Technik Musik – und aus Bewegung Klang. 

Nimm dir Zeit für das Stimmen. Es ist der erste Schritt zum bewussten Spielen. 


"Das E9-Tuning eröffnet ganz neue Klangmöglichkeiten."

– Pedal Steel Gitarre 

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